KI-Boom im Spiegel vergangener Tech-Exzesse (EGEKID-Dossier)
ROCKSTRATEGE · ES GIBT EINE KI DAFUER
EGEKID-DOSSIER
KI-Boom im Spiegel vergangener Tech-Exzesse
1 – Was passiert ist
Die US-Börsen zeigten zuletzt erste Risse im KI-Narrativ: Dow Jones minus 0,2 Prozent, S&P 500 minus 0,7 Prozent, angeführt von Gewinnmitnahmen bei Tech-Schwergewichten [4]. Gleichzeitig tobt beim KI-Rechenzentrumsanbieter IREN ein Analystenkrieg – die Aktie verlor in 30 Tagen rund 42 Prozent [2]. Und aus China kommt mit Kimi ein neues Sprachmodell, das in Benchmarks westliche Spitzenmodelle angreift und den Preisdruck in der Branche erhöht [3].
Bravos Research bringt es auf den Punkt: Die Gewinnerwartungen vieler KI-Profiteure steigen deutlich schneller als die tatsächlich realisierten Gewinne [1] [5]. Das ist kein Weltuntergang – aber ein Warnsignal, das man ernst nehmen sollte.
2 – Die Mechanik dahinter
Was hier läuft, ist ein altbekanntes Muster: Ein neuer Technologie-Trend erzeugt eine Bewertungsprämie – das heißt, Anleger zahlen heute schon für Gewinne, die erst in Jahren kommen sollen. Solange die Story trägt, steigen die Kurse schneller als die Unternehmensgewinne. Das funktioniert – bis der Markt merkt, dass die Lücke zu groß wird.
Aktuell konzentriert sich die Wertschöpfung fast ausschließlich am Infrastrukturende der Kette: Chiphersteller, Rechenzentrumsbetreiber, Stromversorger. Die Unternehmen, die KI tatsächlich in Umsatz ummünzen sollen (die „Enterprise-Anwender“), hinken bei der Monetarisierung hinterher. Das ist wie beim Goldrausch: Die Schaufelverkäufer verdienen zuerst, die Goldgräber erst viel später – wenn überhaupt.
3 – Der historische Befund
Tech-Euphorien verlaufen so gut wie nie linear. Die Dotcom-Blase um 2000 wurde von Netzwerk- und Routerherstellern getrieben – Firmen, die „die Infrastruktur des Internets“ bauten, ganz ähnlich wie heute KI-Chiphersteller die Infrastruktur der KI liefern [1]. Auch der Plattform-Hype der 2010er-Jahre kannte Phasen extremer Übertreibung, gefolgt von scharfen Korrekturen.
| Phase | Treiber | Muster |
|---|---|---|
| ~2000 | Netzwerk-/Router-Hersteller | Überinvestition in Infrastruktur, dann Absturz |
| 2010er | Plattform-Ökonomie | Extreme Bewertungen, punktuelle Crashs |
| 2024–2026 | KI-Chips & Rechenzentren | Gewinnerwartung läuft realen Zahlen voraus |
Der entscheidende Unterschied: Nicht jede Übertreibung endet in einer Totalpleite. Viele der damaligen „Überlebenden“ sind heute Weltkonzerne. Die Geschichte reimt sich – sie wiederholt sich nicht exakt.
4 – Was jetzt zählt
Der strukturelle KI-Trend ist nicht kaputt. Aber die Pfadvolatilität steigt – das heißt: der Weg nach oben wird ruckeliger, mit tieferen Zwischeneinbrüchen. Genau das zeigt sich schon bei IREN, wo Short-Seller und Bullen aufeinanderprallen [2], und beim Preisdruck durch günstigere chinesische Modelle wie Kimi [3] – Konkurrenz drückt auf Margen-Fantasien.
Zwei historisch erprobte Werkzeuge zur Risikostreuung:
- Equal-Weight-Indizes: Statt Indizes, in denen wenige Schwergewichte dominieren, gewichten diese jedes Unternehmen gleich stark. Das reduziert das Klumpenrisiko einzelner KI-Highflyer.
- Gold als Krisenabsicherung: Kein Renditeversprechen, sondern ein historisch bewährter Baustein, der sich in Korrekturphasen oft gegenläufig zu Aktien verhält.
5 – Die Investoren-Brille
Handwerk statt Hype heißt hier: nicht raus aus KI, sondern bewusster rein. Drei konkrete Ansatzpunkte für deinen Depot-Alltag:
- Wie viel Prozent meines Depots hängt an nur 3-5 KI-Chip- oder Infrastrukturwerten?
- Habe ich in den letzten 6 Monaten nachgekauft, weil der Kurs stieg – oder weil sich die Fundamentaldaten verbessert haben?
- Wüsste ich, wie stark mein Depot fällt, wenn ein KI-Schwergewicht 20 Prozent verliert?
„Liste mir die 10 größten Positionen in [ETF/Index-Name] auf und zeige, wie hoch der kombinierte Anteil von Halbleiter- und KI-Infrastrukturunternehmen daran ist. Vergleiche das mit der Gewichtung vor 2 Jahren.“
Wichtig: Das Ergebnis ist eine Rechercheorientierung, keine Kaufempfehlung – die Bewertung musst du selbst treffen.
- ☐ Einzelposition begrenzen (z.B. max. 5 Prozent des Depots pro Titel)
- ☐ Klumpenrisiko im ETF prüfen (Top-10-Gewichtung anschauen)
- ☐ Equal-Weight-Variante als Beimischung erwägen, nicht als Ersatz
- ☐ Absicherungsbaustein (z.B. Gold) auf Sinnhaftigkeit für die eigene Strategie prüfen
- ☐ Keine Nachkäufe allein aus Angst, etwas zu verpassen (FOMO ist kein Kaufsignal)
Der KI-Trend bleibt real – die Technologie verschwindet nicht wieder. Aber Kurse und Fundamentaldaten laufen zeitweise auseinander, und genau in diesen Phasen entscheidet sich, wer diszipliniert bleibt und wer der Story hinterherläuft. Dein Depot sollte den Trend abbilden, nicht ihm ausgeliefert sein.
Quellen
[1] KI-Boom im Spiegel vergangener Tech-Exzesse (Analyse-Quelle)
[2] IREN: Short-Thesis trifft KI-Euphorie
[3] China-Modell Kimi erhöht Preisdruck
[4] US-Märkte: KI-Schwergewichte ziehen nach unten
[5] Bravos Research warnt vor KI-Bewertungsfalle
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